Erfahrungsbericht Tanja

Ich habe drei Kinder, meine Jüngste, Johanna, ist nun drei Jahre alt und  ein kleiner Nachzügler. Wir haben uns mit 37 und 38 Jahren für ein drittes Kind entschieden und sie sehnlichst erwartet. Schon im Mutterleib turnte sie ständig herum, so daß  bei der Untersuchung der kindlichen Herztöne jedesmal die Freqenz zu hoch war und ich länger bleiben musste, bis sie sich beruhigt hatte.

Vorahnung war richtig

Ich ahnte damals schon, daß sie ein sehr lebhaftes Kind werden würde. Das wirklich Anstrengende an der Situation nach ihrer Geburt war das Permanentgeschrei, wenn sie keinen Körperkontakt hatte. Autofahrten waren der reine Horror. Wir hielten alle 2 Kilometer, um sie zu beruhigen, was nur mit Stillen funktionierte. Eigentlich vermieden wir Ausflüge und Urlaube mit Auto so gut es ging, aber schließlich haben wir noch 2 andere Kinder mit Bedürfnissen. Zum Schluss hatten wir alle Angst vor Autofahrten mit Johanna. Ich saß meist hinten, hielt ihr Händchen, sang, streichelte sie etc…aber auch das funktionierte selten. Soviel zum Autofahren. Der Kauf des Kinderwagens war überflüssig………..selbe Situation. Wenn ich ihn benutzte um Einkäufe zu erledigen, hörte man uns schon von weitem anrollen. Das Geschrei war unglaublich intensiv und die Energie meiner Tochter unerschöpflich….Der Rückweg sah meistens so aus: Jojo auf dem Arm, an jedem kleinen Finger eine Einkaufstüte und mit Bauch und Handrücken den Wagen vorwärtsschieben.

Nur beim stillen still

Die Entspannung, die ich suchte, fand ich im ersten Jahr nur beim Stillen und Johanna auch. Ich stillte immer und überall, zu Hause auf dem Friedhof, in der Schule, im Laden, im Wald, im Auto……. Ich wußte, daß sie Körperkontakt braucht und habe mich dementsprechend 24 Stunden lang darauf eingestellt : Nur noch Bauchtrage, Schlafen im Elternbett, Stillen nach Bedarf, ständiges Herumtragen etc…  Aber auch Mamas müssen mal duschen, aufs Klo, schlafen, die anderen Kinder versorgen. Kurz gesagt, auch mit dem Wissen um unsere Situation ließ sich Dauergeschrei nicht vermeiden. Ich konnte nicht mehr!!!!

Die Besserwisser-Familie

Von der engen Verwandtschaft bekam ich Erziehungsratgeber geschenkt und tolle Ratschläge wie :“Du stillst zuviel!“ „Du trägst sie zuviel herum!“, „Laß sie schreien!“  Es war zum Kotzen! Wenn sie sie mir mal zwei Stunden abgenommen haben, haben sie sie im Kinderwagen brüllend durch den Wald kutschiert, bis sie schlief und waren dann sehr stolz darauf , sie zum Schweigen gebracht zu haben. Das war auch das erste und letzte Mal, daß sie sich um sie kümmerten. Die große Liebe zu diesem Kind und das Wissen, daß es irgendwann besser werden würde, gaben mir die Kraft das jahrelang durchzuhalten. Zwei Jahre waren sehr anstrengend.Ihr erstes Wort war „ich“. Johanna war anderen Gleichaltrigen immer vorraus. Sie konnte ganz früh sprechen und laufen, sie hinterfragt alles und hat einen Willen wie ein Löwe. Sie ist laut fröhlich und laut traurig, immer eine Spur emotionaler als andere und hat ein unglauliches musisches und künstlerisches Talent. Dieses Kind ist eine ganz starke Persönlichkeit  und es hat sich gelohnt diese Energie  aufzuwenden.