Erfahrungsbericht Anonym

Unsere Tochter Flo ist ein absolutes Wunschkind, auf das wir 11 Jahre gewartet haben. Das vorweg. Flo kam fünf Wochen zu früh und per Notkaiserschnitt auf die Welt. Ich rede mir ein, dass sie deshalb ein sogenanntes “Schreibaby” ist.

Erster Nacht ein Horror

Nachdem wir unsere Tochter nach zwei Wochen ITS und Inkubator mit nach Hause nahmen, begrüßte sie uns gleich in der ersten Nacht mit stundenlangem Gebrülle. Da schoben wir es noch auf die Umstellung. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt tagsüber noch recht friedlich, konnte auch mal ohne Schreien aufwachen. Wir übernahmen zunächst den Zeitrhythmus der Klinik von drei Stunden und auch die Flaschenfütterung, weil bis dahin noch niemand so richtig mit uns das Stillen übte. Nach einigenTagen beschlossen wir statt stundenlang abzupumpen und per Flasche zu füttern einfach mit dem Stillen anzufangen.

Probleme beim stillen

Gesagt, getan…Leider gestaltete sich die Sache schwieriger als gedacht. Flo hatte doch erhebliche Probleme “anzudocken”. So gingen wir nach Absprache mit der Kinderärztin zur Osteopathin.
Diese stellte fest, dass unser Kind ja noch viel zu ruhig ist und noch eher im Parasympathikus läuft. Das müsse sie ändern. Aha.. Das war an einem Donnerstag als sie gerade 3 1/2 Wochen alt war. Danach begann die Odyssee. Schon am gleichen Abend wirkte sie in ihrem Körbchen sehr unruhig. Wir sagten uns, dass es wohl die berühmte Erstverschlimmerung sein müsse. Am nächsten Tag war unsere Tochter wie ausgewechselt. Sie schrie den ganzen Tag und in allen Lebenslagen. Es gab kein freudiges Erwachen mehr und wir waren schon nach drei Tagen am Ende unserer Nerven. Auch das Telefonat mit der Osteopathin war nicht hilfreich. Es könne schon mal so sein oder zufällig zusammen getroffen sein. Danach liefen wir von Arzt zu Arzt von Physiotherapeut zur Hebamme etc.

Falsche Entscheidung: Mit Stillen aufhören

Es wurde auf Koliken getippt und unsere Hebamme meinte sie verträgt meine Muttermilch nicht, die mache sie krank. Sie empfahl das Abstillen. Für mich klang das auch logisch, es könnte ein Grund für das stundenlange Getrinke und Gescheie sein-dachte ich. Heute ärgere ich mich überhaupt mit dem Stillen aufgehört zu haben. Denn die Flaschenfütterung war nicht besser. Sie verträgt nur noch Spezialnahrung aus der Apotheke und trotzdem schreit sie beim Füttern. Wir haben mittlerweile ein Repertoire an beruhigenden Hilfsmittel, dass so manche Klinik nicht bieten kann 😉
Von Pezziball, über verschiedene CD`s mit Föngeräuschen und weißem Rauschen bis hin zu Federwiege, Tragetuch und -sitz, homöopathische Mittel und Bachblüten, sämtliche Fachliteratur und Ratgeber etc….Uns helfen etwas der Ball und das berühmte stundenlange Umhertragen. An Sitzen, Kinderwagenfahren oder Autofahren ist nicht zu denken. Dabei schreit sie sich die Seele aus dem Leib. Arztbesuche sind der blanke Horror.

Chiropraktiker half

Letztlich waren wir nach 7 Wochen Dauergeschrei bei einem Privatarzt/Chiropraktiker. Dieser stellt in ein paar Sekunden eine extrem starke Blockierung der Halswirbel C0/C1 fest und “ruckste” unsere Tochter. Einen Tag später war sie ein ganz normales Baby. Zwar etwas quengeliger als der Durchschnitt, aber für uns wie eine Erlösung. Sie braucht immer noch sehr viel Aufmerksamkeit, Stillliegen geht nicht, Tragetuch mag sie immer noch nicht und man muss wirklich jede Sekunde aufpassen, wie die Stimmung gerade ist, damit sie nicht akut kippt. Abends schreit sie zur Zeit noch so ihre 2-4 Stunden am Stück,aber das ist kein Vergleich zu vorher. Wir kommen nicht mehr auf 8-12 Stunden pro Tag 😉 Wir versuchen weiterhin Besuche mit “von Arm-zu Armgeben”, unnötige Ausflüge, Fernsehen und laute Geräusche zu vermeiden, das führt nach wie vor zu extremen Schreianfällen. Das Kinderwagenfahren ist auch besser geworden. Jetzt ist sie 15 1/2 Wochen alt und wir hoffen, dass es bald ganz vorbei ist mit dem Schreien und nicht wieder schlimmer wird.

Dies war die Kurzfassung, die tollen Ratschläge, Meinungen und das Unverständnis von außen möchte ich unerwähnt lassen. Trotz allem ist sie unser kleiner Stern, der ja nichts dafür kann und sicher ein ganz tolles, aufgewecktes Mädchen wird.