Erfahrungsberichte

Hier schauen betroffene Mamas zurück auf die Zeit mit ihrem Schreibaby.

  • Christine erzählt wie sie ihren eigenen Weg gefunden haben.
  • Wie Mareikes Wunschkind sie an ihre Grenzen bringt.
  • Marlene schreibt über die Anfangszeit mit ihrer Tochter, die inwischen zehn Jahre alt ist.
  • Anja schreibt detailliert über die ersten drei Monate mit ihrem Sohn.
  • Jenny schreibt darüber wie schwierig es ist, mit einem überempfindlichen Baby den Alltag zu meistern.
  • Auch Tanja fasst kurz und bewegend zusammen wie sie die schwere Zeit erlebte.
  • Katy schreibt von ihrem Sohn und wie es bei ihnen aussah.

Hier ist natürlich noch Platz für weitere Berichte!
Immer her damit an: info@mein-schreibaby.de

Schreibaby Erfahrungsbericht von Anja:

Im Oktober 2007 keimte sehr stark der Wunsch nach einem Kind in mir auf. Ich hatte alles … Mann, Haus, Job und wir lieben uns. Nachdem mein Mann beschloss, dass wir im März ‘08 loslegen, wurde das auch gleich ein Volltreffer. Am Ostermontag hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich war überglücklich, nachdem ich doch Bekannte hatte, welche Jahre dafür üben mussten. Leider war die Schwangerschaft bis zur 18. SSW nicht gerade schön. Ich musste fast 6 Wochen im Liegen verbringen, davon eine im Krankenhaus, weil ich immer wieder Blutungen hatte. In der 20. SSW wurde mir dann gesagt, dass ich keine Plazente previera (Tief sitzende Plazenta) mehr hätte.  Mann, war ich froh. War doch jeder Gang zur Toilette mit großer Angst verbunden.

Wie es mit meinem Schreibaby anfing…

Warum ich das schreibe?? Man sagt eine komplizierte Schwangerschaft, kann ein Auslöser für ein Schreikind sein. Ob das schwierig war oder nicht, muss jeder selbst entscheiden, für mich war es die Hölle immer wieder zu hören, dass der Zwerg noch nicht überlebensfähig sei.

Es gibt aber auch eine andere Theorie und zwar die Familiengeschichte. Was das heißen soll? Mein Sohn ist in 4. Generation Schreikind. Sein Uropa, sein Opa und sein Vater waren alle Schreikinder, man bemerke, nur die männlichen Nachkommen. Und wie es sich mein Mann gewünscht hat, haben wir zu dem Termin, an dem wir erfahren haben, dass wir uns ab nun keine Sorgen mehr machen müssten, die glückliche Nachricht erhalten, einen Sohn zu bekommen. Die Ammenmärchen, von wegen “Du wirst schon sehen” von meiner Schwiegermutter, habe ich als lächerlich abgetan. Immerhin stecken ja auch meine Gene in unserem Kind. Clemens war allerdings schon im Bauch ein absoluter Rabauke, ganz ehrlich, insgeheim hatte ich immer Angst! Aber ich glaubte an meine Gene.

Als er dann endlich da war, nach 13 Stunden Geburt und 5 Stunden im Becken festsitzend, war ich total glücklich. Ich konnte kaum glauben, dass ich nun Mama war. In der ersten Nacht, habe ich meinen Mann um 4 Uhr munter gemacht und ihn gebeten ganz schnell das Licht anzumachen, mit den Worten: “Mach das Licht an, ich glaub er atmet nicht mehr.”

9h durchgebrüllt: schrecklichste Nacht im Leben….

Die erste Nacht zu Hause war die schrecklichste in meinem Leben. Unser Sohn hat 9h durchgebrüllt. Ich selbst noch total fertig von der Geburt, heulte wie ein Schlosshund. Ich war der festen Überzeugung, dass mich mein Mann morgen verlassen würde, immerhin war das ja meine Schnapsidee mit dem Kind gewesen :o) Clemens hatte keine Stimme mehr, weiße aufgeplatzte Lippen und hatte sich fiebrig geschrien.

Nach 3 Wochen fragte ich meinen Mann, ob er meint, dass das nicht normal ist, wenn der Kleine die Augen aufmacht und weint? Obwohl er alles hatte. Er meinte, Babys weinen nun mal. Meine Hebamme meinte, alle Kinder wären so.

Nach 5 Wochen habe ich meine Hebamme gefragt, ob es normal sei, dass ein Baby nicht allein schlafen kann, immer wieder hochschreckt und überprüft ob die Mama noch da liegt. Was abends so sehr schreit, dass es keine Luft mehr bekommt. Sie meinte, es sei bei allen Babys so.

Nach 6 Wochen fragte ich meine Kinderärztin, ob es normal sei, wenn der Kleine immer weint, wenn er munter ist. Sie meinte er hätte Blähungen und müsse einfach lernen sich selbst zu beruhigen. Ich soll nicht gleich springen. Als ich ihr sagte, dass er keine Luft bekommt, wenn ich ihn mal schreien lasse, dachte sie sicher ich bin einfach eine Gluckenmama.

Schreiendes Baby normal?

Nach 9 Wochen war meine Hebamme zur Behandlung eines schmerzhaften Milchstaus da. Unser Sohn schrie da schon den 5. Tag in Folge. Es ging mir noch einiger Maßen gut, würde ich sagen. Ich heulte zwar jeden Abend mit, aber es ging. Ich fragte sie, ob das normal sei? Sie meinte, alle Babys haben zur Zeit diese Phase. Nachdem ich akupunktiert wurde, nahm Sie Clemens und ging durchs Haus. Er war ruhig – Wahnsinn! Sie schauten sich das Aquarium an und den Rest vom Haus. Dann plötzlich fing er an zu schreien – wie am Spieß. Meine Hebamme sah recht ratlos aus. Sie machte das gleiche wie ich. Ganz fest an sich drücken und Nähe geben, damit er sich nicht wieder hochschaukeln kann. Sie bestätigte mir, was ich schon vorher bemerkt habe. Er konnte einfach nicht abschalten. Alles wurde aufgesaugt, jede noch so winzige Neuigkeit und dann war der Topf voll und nix passte mehr rein. So wie wenn das Wasser anfängt zu kochen und Blasen schlägt und dann plötzlich überkocht. Sie gab uns diverse Globulli – sie halfen nix. (Bachblüten Beruhigungstropfen übrigens auch nicht, auch nicht die Beruhigungszäpfchen meiner Kinderärztin)

Körperlich am Ende

Nach 10 Wochen, Clemens schrie nun den 11. Tag in Folge jede Minute. Ich hatte Kopfschmerzen, war einfach kaputt. Mein Mann war lange auf Arbeit. Nix half. Ich hätte ihn am liebsten an die Wand geworfen. Meine Schwester rief mich an, ich bekam kaum Luft, so sehr musste ich weinen. Das war das erste Mal, dass ich mein Kind für 5 Minuten allein ließ. Mir brach es das Herz, aber gleichzeitig hatte ich gerade einfach keine Kraft ihn weiter zu beruhigen. Sie half mir sehr in diesem Moment, der wirklich der hilfloseste war, den ich bisher in meinem Leben hatte. Dennoch haben mir diese 5 Minuten soviel Kraft gegeben, dass ich die nächste Zeit besser mit dem Schreien klar kam. Ich fühlte mich dennoch schlecht, als ich abends im Bett lag und Clemens im Traum immer schluchzte. Ich dachte ich sei eine Rabenmutter und es brach mir schon wieder das Herz.

Erste Besserung

Wenige Tage später änderte sich etwas, was mir auch Kraft gab. Clemens schaffte es 30 – 60 Minuten ein zufriedenes Kind zu sein. Ich änderte mich jedoch auch. Ich fing an zu akzeptieren, dass wir nicht ein 08/15 Kind haben, sondern er halt so ist wie er ist. Er schreit halt viel und wenn er es nicht raus lassen würde, müsste er platzen. Ganz ehrlich, uns Erwachsenen geht es doch auch so, dass wir uns alles von der Seele reden müssen, Clemens macht das eben ein bisschen lauter und mit mehr Energie. Gut nicht jeder Tag ist wie der andere und ich habe immer noch schlechte Tage, wo ich am liebsten ganz wo anders wäre. Aber ich versuche mir immer zu sagen, er kann nicht anders. Es muss einfach raus. Es geht nicht gegen mich oder meinen Mann.

Ich versuchte nun auch bestimmte Dinge einzuhalten. Sobald ich merkte, dass die Stimmung kippen könnte, sofort hoch nehmen und in meine Bauchtrage. Da konnte er auch noch ein bisschen gucken und schlief irgendwann ein. Abends versuchte ich nicht mehr krampfhaft einen 20:15 Uhr Film zu sehen und das Kind dabei zu schunkeln. Gut ich gebe zu, ich wollte das gern, mehr als gern. Aber ich ging nun mit meinem Kind ins Bett. Da er nur an der Brust einschlief, stillte ich ihn in den Schlaf. Manchmal dauerte das bis zu 2 Stunden. Sobald die Brust raus fiel, wurde er munter und schrie. Ich habe auch hier viel versucht. Habe ihn quengeln/weinen/schreien lassen. (hatte ihn immer fest im Arm und versuchte gut zu zureden) Versuchte es mit dem Nuckel. Nix half. Wer ein Schreikind hat, weiß dass die Ausdauer haben und es schlimmer wird und nicht besser. Also stillte ich ihn, lag unbequem und stand nicht mehr auf, wenn er schläft, da Clemens immer wieder guckt ob ich noch da bin. Ob bewusst oder unbewusst, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall scheint er einen siebten Sinn dafür zu haben und es dauert keine 5 Minuten und er erwacht sofort und weint.

Abschließend muss ich sagen, versuche ich das ganze nicht als Last, sondern als Herausforderung zu sehen. Es klappt nicht immer und auch mein Mann und ich können mit schreiendem Kind nicht immer leise bleiben. Ich zähle nun nicht mehr energisch die Tage das es besser wird. Er ist heute 12 Wochen alt und alle haben gesagt es wird besser, wenn die 12 Wochen vorbei sind. Ich denke, auch hier werden wir die Norm sprengen. Wir werden weiter nach einem Orthopäden suchen, der sich den kleinen doch mal anschauen mag und gehen nächste Woche zu einer 2. Ostheopathin und werden uns einerseits freuen, wenn sie sagt: “Glückwunsch ihr Kind ist gesund.” Wir werden uns nichts vorwerfen können, da wir alles probiert haben.


Schreibaby Erfahrungen von Mareike

Meine Tochter ist ein absolutes Wunschkind! Sie hat uns von Anfang an viele Nerven gekostet und war schon in der Schwangerschaft eine riesen Herausforderung.
Dann wurde sie 9 Wochen zu früh geboren und als wir sie endlich zu Hause hatten waren wir so glücklich. Kurze Zeit darauf stellte sie uns für ca. 7 Monate auf eine harte Probe.

Baby schreit bis zu 5 Stunden am Stück

Sie schrei und weinte unstillbar. Abends schrie sie teilweise 5 Stunden am Stück- jeden abend…Mein Leben fühlte sich an wie eine einzige Katastrophe. Ich hatte dieses Baby so gewollt und jetzt wollte ich sie mehr als einmal einfach nur loswerden. Sie hat mich fertig gemacht, mich nicht nur an meine Grenzen gebracht, sondern darüber hinaus. Es gab Tage, da konnte ich es besser ertragen und dann gab es Tage an denen ich meine Mutter anrief und sie anflehte dieses Kind ab zu holen, weil ich Angst hatte, ich könne ihr etwas antun. Ich habe mich soooo geschämt und mich selbst gehasst für diese Gedanken, aber irgendwann konnte ich nicht mehr.

Man fühlt sich hilflos

Die Menschen in meiner Umgebung wussten all ganz genau was zu tun sei- nur ich war zu blöd meinem Kind zu helfen. Sie haben gesagt mein Baby habe Hunger, ich sei zu hektisch, zu inkonsequent, sie würde mich testen usw. Ja getestet hat sie mich, sie hat gestetet ob ich sie wirklich bedingungslos liebe und sie trage, länger als meine Kräfte es zuliessen. Und ich habe sie getragen, stundenlang. Sie hat auf mir geschlafen, an mir geschlafen.

Es hat sich gelohnt. Mittlerweile ist sie fast ein Jahr alt und ein ganz tolles Mädchen. Sicherlich ist sie immer noch anspruchsvoll- ein typisches 24 Stunden-Kind, aber
wir haben uns zusammen gerauft und ich liebe sie bedingunglos und ich weiss dass unser schwieriger Start uns immer verbinden wird!


Anonymer Bericht vom eigenen Schreikind

Unsere Tochter Flo ist ein absolutes Wunschkind, auf das wir 11 Jahre gewartet haben. Das vorweg. Flo kam fünf Wochen zu früh und per Notkaiserschnitt auf die Welt. Ich rede mir ein, dass sie deshalb ein sogenanntes “Schreibaby” ist.

Erster Nacht ein Horror

Nachdem wir unsere Tochter nach zwei Wochen ITS und Inkubator mit nach Hause nahmen, begrüßte sie uns gleich in der ersten Nacht mit stundenlangem Gebrülle. Da schoben wir es noch auf die Umstellung. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt tagsüber noch recht friedlich, konnte auch mal ohne Schreien aufwachen. Wir übernahmen zunächst den Zeitrhythmus der Klinik von drei Stunden und auch die Flaschenfütterung, weil bis dahin noch niemand so richtig mit uns das Stillen übte. Nach einigenTagen beschlossen wir statt stundenlang abzupumpen und per Flasche zu füttern einfach mit dem Stillen anzufangen.

Probleme beim stillen

Gesagt, getan…Leider gestaltete sich die Sache schwieriger als gedacht. Flo hatte doch erhebliche Probleme “anzudocken”. So gingen wir nach Absprache mit der Kinderärztin zur Osteopathin.
Diese stellte fest, dass unser Kind ja noch viel zu ruhig ist und noch eher im Parasympathikus läuft. Das müsse sie ändern. Aha.. Das war an einem Donnerstag als sie gerade 3 1/2 Wochen alt war. Danach begann die Odyssee. Schon am gleichen Abend wirkte sie in ihrem Körbchen sehr unruhig. Wir sagten uns, dass es wohl die berühmte Erstverschlimmerung sein müsse. Am nächsten Tag war unsere Tochter wie ausgewechselt. Sie schrie den ganzen Tag und in allen Lebenslagen. Es gab kein freudiges Erwachen mehr und wir waren schon nach drei Tagen am Ende unserer Nerven. Auch das Telefonat mit der Osteopathin war nicht hilfreich. Es könne schon mal so sein oder zufällig zusammen getroffen sein. Danach liefen wir von Arzt zu Arzt von Physiotherapeut zur Hebamme etc.

Falsche Entscheidung: Mit Stillen aufhören

Es wurde auf Koliken getippt und unsere Hebamme meinte sie verträgt meine Muttermilch nicht, die mache sie krank. Sie empfahl das Abstillen. Für mich klang das auch logisch, es könnte ein Grund für das stundenlange Getrinke und Gescheie sein-dachte ich. Heute ärgere ich mich überhaupt mit dem Baby stillen aufgehört zu haben. Denn die Flaschenfütterung war nicht besser. Sie verträgt nur noch Spezialnahrung aus der Apotheke und trotzdem schreit sie beim Füttern. Wir haben mittlerweile ein Repertoire an beruhigenden Hilfsmittel, dass so manche Klinik nicht bieten kann 😉
Von Pezziball, über verschiedene CD`s mit Föngeräuschen und weißem Rauschen bis hin zu Federwiege, Tragetuch und -sitz, homöopathische Mittel und Bachblüten, sämtliche Fachliteratur und Ratgeber etc….Uns helfen etwas der Ball und das berühmte stundenlange Umhertragen. An Sitzen, Kinderwagenfahren oder Autofahren ist nicht zu denken. Dabei schreit sie sich die Seele aus dem Leib. Arztbesuche sind der blanke Horror.

Chiropraktiker half

Letztlich waren wir nach 7 Wochen Dauergeschrei bei einem Privatarzt/Chiropraktiker. Dieser stellt in ein paar Sekunden eine extrem starke Blockierung der Halswirbel C0/C1 fest und “ruckste” unsere Tochter. Einen Tag später war sie ein ganz normales Baby. Zwar etwas quengeliger als der Durchschnitt, aber für uns wie eine Erlösung. Sie braucht immer noch sehr viel Aufmerksamkeit, Stillliegen geht nicht, Tragetuch mag sie immer noch nicht und man muss wirklich jede Sekunde aufpassen, wie die Stimmung gerade ist, damit sie nicht akut kippt. Abends schreit sie zur Zeit noch so ihre 2-4 Stunden am Stück,aber das ist kein Vergleich zu vorher. Wir kommen nicht mehr auf 8-12 Stunden pro Tag 😉 Wir versuchen weiterhin Besuche mit “von Arm-zu Armgeben”, unnötige Ausflüge, Fernsehen und laute Geräusche zu vermeiden, das führt nach wie vor zu extremen Schreianfällen. Das Kinderwagenfahren ist auch besser geworden. Jetzt ist sie 15 1/2 Wochen alt und wir hoffen, dass es bald ganz vorbei ist mit dem Schreien und nicht wieder schlimmer wird.

Dies war die Kurzfassung, die tollen Ratschläge, Meinungen und das Unverständnis von außen möchte ich unerwähnt lassen. Trotz allem ist sie unser kleiner Stern, der ja nichts dafür kann und sicher ein ganz tolles, aufgewecktes Mädchen wird.


Christine erzählt über ihr Schreibaby

Mein Schreibaby ist jetzt 8 Wochen alt. Wir haben im Geburtshaus entbunden, das war genau das Richtige für uns. Die ersten 2 Tage im Wochenbett daheim waren schön ruhig, er weinte nur öfter mal, ließ sich aber durch Kuscheln und Streicheln gut trösten. Er schläft natürlich mit bei uns im Bett, ich konnte mir nicht vorstellen, ihn “wegzulegen” (eigenes Bett oder gar eigenes Zimmer).

3 Monats-Koliken?

Dann fing er an, laut und ununterbrochen zu schreien, wenn er wach war; die Nachsorge-Hebamme (nicht aus dem Geburtshaus) wußte auch keinen Rat. Am 7. Tag (ich war völlig mit den Nerven am Ende und habe nur geweint) war dann der Kinderarzt bei uns und erklärte uns, dass das Kind die 3-Monats-Koliken habe, denn es grummelte und quietschte und “schäumte” immer im Bauch. Die Globuli und das Lefax brachten zunächst deutliche Verbesserung binnen 6 Stunden. Der Arzt überwies uns noch zum Osteopathen, bei dem wir 3 Tage später waren, der schloss eine körperliche Fehlstellung aus, und erklärte uns die Sache mit dem noch nicht gleich arbeitenden Dünn- und Dickdarm. Wir sollten zwischen den Stillmahlzeiten 2 Stunden Pause lassen (neue Milch auf alte Milch vermeiden) und auch jede Stillmahlzeit mit einer Pause von 20 – 30 min unterbrechen. Und nicht mehr nach Bedarf Stillen. Hm. Er zeigte uns eine kleine Bewegungstherapie, wie wir die festgesetzte Luft lockern können, so dass sie weiterbefördert wird. Nur das war halt eine Maßnahme, mit der wir die Blähungen nicht vermeiden konnten, sondern nur behandeln, wenn sie schon da sind und das Geschrei groß ist. Das Lefax hat nicht wirklich viel geholfen, nur manchmal und nur etwas.

Geschrei kaum zu ertragen

Ich konnte das Geschrei nicht mehr ertragen. Ich fühlte mich als Versagerin, vom Kind abgewiesen und weinte und schrie meistens mit. Oft warf ich irgendeinen Gegenstand (Tuch, Schnuller u.ä.) quer durchs Zimmer, oder schlug mit der Faust aufs Kissen. Ich entwickelte so starke Aggressionen in mir, dass mir unheimlich wurde. Die Hebamme konnte mir nicht helfen. Sie sagte nur, der Abstand zwischen dem Stillen solle noch größer werden. Ich habe lange überlegt, dass man doch etwas gegen das Schreien tun können muss? Ich bin einfach nicht der Typ, der Dinge so hinnimmt, wenn sie nicht passend sind. Was möchte das schreiende Kind mitteilen? Nur Bauchschmerzen? Wie kann man Blähungen vermeiden? Wie ist ein ursprünglicher, “artgerechter” Umgang mit Neugeborenen? Wie machen es die Naturvölker, wie hat die Natur es sich zu Beginn des Menschwerdens gedacht? Mein Gefühl sagte mir, dass es sicher nicht allein “rumliegen” möchte. Dass es nicht nach geregelten Zeiten gestillt werden möchte. Dass es mehr Nähe möchte.

Auf eigenes Gefühl hören

Ich hatte nichts zu verlieren und warf nach 4 Wochen das Bisherige über Bord, stille seitdem komplett nach Bedarf (Alles ist erlaubt: so oft er will, so lange er will, so ernsthaft er will: wirklich Hunger stillen oder einfach nur Trostnuckeln), habe ihn den ganzen Tag am Körper (meistens auf dem Arm oder mal in der Tragehilfe) und lege ihn nur kurz ab, wenn er tief schläft und das Ablegen erforderlich ist. Alle Bedürfnisse versuche ich sofort zu bedienen. Ab dem nächsten Tag war Ruhe. Er hatte auf einmal weniger Blähungen, später gar keine mehr, obwohl ich kein Lefax mehr verabreiche (ist es die Wärme Bauch an Bauch, die ständige Mitbewegung durch meine Bewegung, das nicht mehr Schreien und Luftschlucken, oder was?), er schreit nur noch ganz kurz wenn er z.B. Hunger anzeigt. Ich war so erleichtert! Er schläft seitdem viel besser, meistens schläft er mit der Brust im oder am Mund oder kuschelt auf der Brust. Er trinkt mal nach 30 min, mal nach 2 Stunden wieder; mal trinkt er kurz, mal sehr lang, das ist alles total unterschiedlich – frei nach Laune wohl…

An dem Tag, an dem ich mit der neuen Methode begonnen habe, habe ich mich durch das Internet gewühlt und nach alternativen Informationen zu Schreibabys gesucht. Ich stieß auf diese Seite und fühlte mich angenehm in dem bestätigt, was ich fühlte und neu machte. Die Hebamme hat nicht wirklich Verständnis dafür, sie kennt nur die üblichen Stillabstände, Konflikt zwischen neuer und alter Milch im Bauch des Kindes, dass man das Kind nicht zu sehr verwöhnen solle und mehr auf sich achten soll. Sie muss natürlich akzeptieren, was ich tue, denn ich lasse mich da nicht beirren. Es ist natürlich unendlich anstrengend, ihn den ganzen Tag zu tragen, zu wiegen, zu wippen, und alles stehen und liegen zu lassen wenn er anfängt zu quaken. Oft bin ich morgens so kaputt, obwohl wir lange geschlafen haben, dass ich kaum hochkomme. Ich bin jetzt schon fast wieder bei meinem Ausgangsgewicht angelangt, so anstrengend ist das.

Nicht schreien lassen

Oberstes Prinzip ist: das Schreien sofort unterbinden, denn wenn er sich erst “eingeschrien” hat, ist es noch schwerer, ihn zu beruhigen. Ich muss ihm grundsätzlich Einschlafhilfe geben: per Kuscheln und Stillen oder per Wiegen im Arm. Es gibt nachwievor schlechte Tage, aber ich denke jeder hat mal schlechte Tage/Laune? Wenn er heftig oder länger schreit, bekomme ich immer noch das Gefühl des Versagens und des Abgelehntwerdens, ich werde dann immer noch aggressiv und irgendwas fliegt durchs Zimmer, aber das ist alles so verschwindend gering geworden! Dennoch habe ich grundsätzlich ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich wieder so wütend wurde, aber ich kann das nur selten unterdrücken.

Besuch empfangen wir noch nicht wirklich, wir möchten ihm Unruhe, andere Gerüche oder Ähnliches vorerst ersparen. Außerdem haben wir kaum genug Aufmerksamkeit für unseren Besuch über – das Betüddeln des Kindes ist recht aufwändig. Er kommt auch bei keinem anderen als bei uns beiden auf den Arm, da sind wir auch den Großeltern unerbittlich gegenüber, denen wir einen Kurzbesuch kürzlich gestattet haben. Allgemein bekommen wir öfter komische Kommentare: woher weißt Du, dass er ein Schreibaby ist? Er schreit bestimmt, weil Du ihn ständig trägst. Du verwöhnst ihn. Denk doch mal an Deine Bedürfnisse  und so weiter – aber das ist mir alles egal.

Eine gute Freundin von mir sagte: “der Mensch an sich ist das einzige Lebewesen, das meint, die Signale seines Nachwuchses ignorieren zu können … Ich finde, Mutter Natur hat sich bei dem Konzept schon was gedacht”. Ja, da sollte jeder mal drüber nachdenken. Für mich ist völlig klar: Bedürfnisse werden angezeigt und müssen bedient werden. Ganz einfach.

Wenn er Entwicklungschübe hat (2 hat er jetzt hinter sich), ist es noch viel anstrengender. Da ist er extrem quengelig, das zehrt an den kaum noch vorhandenen Kräften und lässt uns beide ziemlich verzweifeln. Aber irgendwie wird man mit der Zeit immer etwas stärker.

Er ist inzwischen ein glückliches, lustiges Kind, das viel lacht und quatscht und quietscht.


Schreibaby Erfahrung von Anja

Emilia kam vor 5 Jahren nach einer langen, schweren Geburt zur Welt. Im Krankenhaus schlief sie noch recht gut, aber kaum waren wir zu Hause änderte sich das. Da es mir die ersten Tage nicht so gut ging, waren wir mit unserem Baby meist zu Hause. Nach zwei Wochen bin ich dann mit dem Kinderwagen zum Einkaufen, und da fing es an. Als wir wieder zu Hause waren, schrie Emilia 2 Stunden und ließ sich einfach nicht beruhigen. Und so erging es ihr immer wenn wir irgendwo waren, wo sie fremd war. Als ich einmal meine ehemalige Arbeiststelle besuchen wollte, Emilia war mittlerweile 10 Wochen, ist sie im Auto eingeschlafen. Als sie dort aufwachte, in einem fremden Raum, 5 fremde Leute um sich, war es vorbei. Sie schrie, bis sie keine Luft mehr bekam.

Baby sehr empfindlich

tundenlang bin ich mit ihr durch die Wohnung gelaufen, Schlaf gab es auch nachts nur 2-3 Stunden am Stück, jedes Geräusch weckte sie auf. Viele Freundschaften litten darunter, daß ein Treffen nicht immer möglich war, denn war Emilia zur “gewohnten” Mittagsschlafzeit oder abends nicht rechtzeitig zu Hause im Bett, schrie sie stundenlag. Auch größere Geburtstagsfeiern waren nicht möglich, denn zu viele Leute brachten unser Kind aus der Ruhe.

Nur ein Ereignis von vielen: Als sie 8 Monate war, waren wir in Bremen zur Taufe meines Patenkindes. Auf der 7-stündigen Fahrt war alles ok, auch als wir in die fremde Wohnung kamen war scheinbar alles in Ordnung, aber als ich sie abends zum schlafen ins Reisebett legen wollte, war es vorbei. Sie schrie 4 Stunden lang, ohne Pause, bis ich mit ihr im Kinderwagen auf der Straße spazieren ging, um sie erst mal wieder ein bißchen zur Ruhe zu bringen. Einzig beim Babyschwimmen war mein Kind wie ausgewechselt. Sie war im Wasser total entspannt, auch die Geräusche und die vielen Leute machten ihr nichts aus.

Macht man selbst was falsch?

Lange Zeit war ich sehr verzweifelt, und überlegte immer nur, was sich wohl falsch machen würde. Gott sei Dank haben wir einen sehr sehr guten Kinderarzt, der uns nach gründlicher Untersuchung erklärte, daß wir gar nichts falsch machen, und unser Kind gesund ist. Er hat uns erklärt, daß es Babys gibt, die so sensibel sind, daß es ihnen schnell zu viel wird und sie dann schreien.

Aber auch mit dieser Erklärung ist es nicht immer leicht, das alles auszuhalten, manchmal wäre ich am iebsten davongelaufen. Es gab Momente in denen ich nachfühlen konnte, warum Mütter ihrem Kind in so einer Situation etwas antun. Gott sei Dank geriet ich nie in diese Situation, aber manchmal habe ich sie schreiend in ihr Bett gelegt, mich in ein anderes Zimmer gesetzt und auf mein Kissen eingeboxt, weil ich nicht mehr konnte. Und nach 5 Mnuten war sofort das schlechte Gewissen wieder da.

Ersten Jahre sehr schüchtern

Auch als Kleinkind blieb Emilia ein sensibles Kind, dem schnell alles zu viel wurde. Und auch heute noch hat sie “Bauchweh”, wenn sie aufgeregt ist, oder Kummer hat.
Im Kindergarten gab es sie ersten zwei Jahre täglich Tränen, durchsetzen konnte sie sich überhaupt nicht. Sie traute sich selbst wenig zu, im Stuhlkreis hat sie sich nie getraut, etwas zu sagen.

Letztes Jahr hab ich nach einem Gespräch mit der Erzieherin mit meinem Kinderarzt gesprochen. Er begleitet uns schon, seit sie ein Baby ist, und hat uns eine sehr gute Heilpädagogin empfohlen. Seit einem halben Jahr geht Emilia dort hin und ist ein Stück sicherer geworden. Sie ist nun nicht mehr so ängstlich, kann sich auch mal durchsetzen und ist auch selbstbewußter geworden.  Auch im Kindergarten weint sie nur noch selten.

Trotz allem hat sie ihre sensible Seite behalten, und das ist auch gut so. Emilia sieht, wenn es anderen nicht gut geht und sie ist immer bereit zu helfen. Als sie 4 Jahre alt war, kam sie selbst auf die Idee, ihr Puppenhaus den “armen Kindern” zu schenken, “weil die ja nicht so viele Geschenke vom Christkind kriegen”. Wir haben das Puppenhaus dann dem Kinderheim geschenkt. Ja, das sind die schönen Seiten an sensiblen Kindern. Sie würde nie ein Kind absichtlich verletzen, und sie steht anderen Kindern bei.

Oft mußte ich mir anhören, mein Kind sei zu verwöhnt, ich würde sie zu sehr beschützen, zu wenig zutrauen, deswegen würde sie auch immer sofort weinen, oft gab ich mir die Schuld. Im Nachhinein denke ich, daß ich es schon richtig gemacht habe, in dem ich versucht habe sie nicht zu vielen Reizen und für sie ungewohnten Situationen auszusetzen.

Allen anderen Mamas kann ich nur raten, hört auf euer Gefühl, zu viel Liebe gibt es nicht und habt keine Angst sie zu verwöhnen, das ist alles besser, als eure Kinder ständig zu überfordern.
Übrigens ist unser zweites Kind ganz anders, ein kleiner Lausbub, dem der Trubel nicht groß genug sein kann. Ich bin froh, zwei solch tolle Kinder zu haben!


Erfahrungsbericht von Kathy über ihr Schreibaby

Hallo, zuerst möchte ich mich für die Informationen, die mir auf dieser Seite zu teil wurden, bedanken. Gleich nach der Geburt meines Sohnes merkte man das er anders ist als seine Schwester. Er suchte sehr nach meiner Nähe und konnte nur auf meinem Bauch Ruhe finden.

Wenig Dinge haben geholfen

In den folgenden Tagen fing das Schreien an und das vermehrte trinken. Ich stillte alle 2 Stunden, Tag und Nacht. Er schlief maximal kurz nach dem trinken und dann auch nur auf meinem Bauch. Auch Nachts konnt ich ihn nicht weglegen. Er in Bauchlage auf mir, nur so konnt ich mein Baby beruhigen. Nach kurzer Zeit haben wir festgestellt das er ruhiger ist, wenn der Föhn an ist, oder der Staubsaugen und dann nicht nur ganz wenig, nein, auf höchster Stufe. Was durchaus gefährlich ist, wenn man einschläft, während der Föhn im Bett liegt. (Es hat nicht gebrannt, aber es war schon sehr warm). Nach 2 Monaten habe ich ein Babybett in Holland gekauft. Es war eine gute Investition. Das Bett hägt von der Decke und kann wippen und schaukeln. In Bauchlage und unter ständigem wippen konnte er tatsächlich schlafen. Nicht so lange aber mal nicht auf mir.

Zu dieser zeit habe ich auch einen Termin beim Orthopäden, der hier ist Spezialist für Babys und Schreikinder. Auf ihm lag all meine Hoffnung, aber leider konnte er sie nicht erfüllen. Er hat eine Schiefstellung des Atlas festgestellt, durch Röntgen, und auch eingerengt, aber das Schreien hörte nicht auf. Also haben wir uns so gut es geht geholfen. Ich habe mir einen PeziBall geliehen und ein Tragetuch gekauft. Tag sahs ich oft Stunden auf dem Ball und schaukelte mit ihm im Arm, bei alltäglichen Verrichtungen lag er im Tragetuch. Der Arzt war der Meinung, dass das tragen mit dem Tuch nicht gut sei für den Rücken meines Sohnes, aber mal ehrlich, 8 Stunden lang angeschrien zu werden ist auch nicht gut.

Falscher Verdacht

Der Verdacht es sei eine Nahrungsmittelallergie war auch falsch und ich kann keinem empfehlen von null auf 100 abzustillen. Das tut keinem der Parteien gut und stillt auch das Schreien nicht. Was lohnend ist, ist ein Laktoseintolleranz- Test. Der geht schnell, tut nicht weh und wenn er positiv ist, dann kann das durchaus die Ursache sein.

Es vergingen Monate und wir wurden vertröstet mit: alles wird besser, wenn er erst 4 Monate ist und dann wenn er sechs Monate ist, alles Mist. Ich habe Windsalbe geschmeiirt und Massagen angewannt und und und. Was gut half waren Globoli von Wala, ich weiß nicht ob ich sagen kann welche, aber ich schreibs mal, Pasiflora comp.. Die gibt es als Zäpfchen und als Globoli, zur Nacht hab ich ihm die Zäpfchen gegeben. Er wurde ruhiger und konnte bis 4 Stunden am Stück schlafen.Weiterhin ist das schlafen in Bauchlage das beste was uns allen passieren konnte. Der Arzt ist da anderer Meinung und ich habe es, so zu sagen, ignorriert. Ich habe alles getan um wenigstens ein paar Minuten Ruhe zu haben.

Es wurde besser

So, nun sind viele Monate vergangen und es ist besser geworden. Wir waren dann noch beim Ostheopathen und der hat einen Hüftschiefstand festgestellt, doch auch das konnte sein schreien nicht stillen. Ich habe mich nun an seine Nörgelei und sein Weinen gewöhnt. Er will eigentlich immer getragen werden und auf mir liegen, doch er muss lernen, dass das nicht geht. Es gibt Tage da kann ich nicht mehr und es gibt Tage da ist er relativ ruhig. Es gibt gut Nächte, in denen er durchschläft und welche in denen ich 4 mal gehe und er dann doch wieder auf meiner Brust einschläft. Ohne meinen Mann wäre ich schon durchgedreht und es ist bewundernswert das wir noch zusammen sind und uns nicht an die Kehle gesprungen sind. Irgendwann, da wird er ein glücklicher Junge sein und die Zeit wird vergessen sein, in der ich kurz vorm Burn Out war und inn der ich auch mal gemeine dinge gesagt habe und  wir werden Lachen können.


Ausführlicher Bericht über Magdalenas Schreibaby

Meine Tochter ist ein Beckenendlagen Kind gewesen. In dem Krankenhaus, in dem ich unbedingt entbinden wollte, wurde nur eine Sectio bei Erstgebärenden angeboten. Da der Sectio Termin meinem Entbindungstermin entsprach, beschloss ich, diesen Weg zu wählen, in der Hoffnung, dass sie sich ohnehin frühzeitig auf den Weg machen würde und somit selbst den Startschuss geben würde.

Mutter und Kind nicht bereit

So war es auch. Nach 7 Stunden Wehen, folgte eine Sectio. Ich hörte das Schreien meines Kindes und wusste: Ich bin noch nicht bereit- und sie war es auch noch nicht. Nicht bereit sein, damit meine ich nicht reif für ein Kind zu sein, oh nein, das war ich! Aber ich spürte diese Unvollkommenheit. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie recht hatte. Das meine Tochter anders war als andere Neugeborene, bemerkte ich sehr früh. Sie war gerade mal ein paar Stunden alt und mir viel auf, dass sie ihre gesamte Umgebung beobachtete, ohne wirklich sehen zu können. Sie schien alles in sich aufnehmen zu wollen. Verhält sich so wirklich ein Neugeborenes? Fragte ich mich.

Fremdeln von Beginn

Sie fremdelte von Anfang an. Ein Schlüsselerlebnis für mich war, wie eine Krankenschwester versucht sie zu wickeln- sie schrie wie am Spieß. Mein Mann, der noch nie ein Baby gewickelt hatte, stellt sich neben die Krankenschwester: „Darf ich das machen?“Sie schaut ihn an und meint „Bei Ihnen wird sie auch weinen“. Mein Mann schubst sie beiseite und berührt unser Baby. Er streichelt es und sagt: „Es ist alles gut, Papa ist doch da!“ Sie hört sofort auf zu weinen, während sich die Krankenschwester wundert. Dieses Erlebnis, soll sich wie ein roter Faden durch die nächsten Monate ziehen. Sie hasst es von Fremden angefasst zu werden. Sie schläft wenig und unruhig. Erst als ich sie in mit in mein Bett nahm, schläft sie recht friedlich. Ich erntete von Den Schwestern nur abwertende Blicke. Eine meinte sogleich, dass sich die Kleine ganz schnell daran gewöhnen werde. Das war mir egal. Ich hatte keinerlei Ahnung von den Bedürfnissen eines Säuglings. Aber es fühlte sich in dem Moment richtig an. Ich bin froh mich so entschieden zu haben!

Probleme zuhause

Wir waren erst 2 Tage zu Hause und probten den Alltag mit einem Neugeborenen, da wurde meine Tochter mit einem Helicopter ins Kinderkrankenhaus eingeliefert, weil sie, nachdem sie sich an Erbrochenem verschluckte, kaum ein Lebenszeichen von sich gab. Ein Albtraum, der seien Höhepunkt am zweiten Aufenthaltstag um 20Uhr fand. Sie schrie die Nacht über durch. Über 7 Stunden, ohne Pause. Ich stillte ununterbrochen, und war nervlich und auch körperlich am Ende. Glücklicherweise war mein Mann zur Unterstützung da, auch wenn er unsere Kleine nicht beruhigen konnte. Diese Nacht lag sie weintend auf meiner Brust, während ich versuchte sie durch monotone Geschichten in das Land der Träume zu katapultieren, mein Mann schlief- unsere Kleine jedoch nicht.

Wieder zu Hause, weinte sie exakt um die gleiche Uhrzeit für mehrere Stunden. Es war nervenaufreibend. Wir wussten nicht weiter. Ich äußerte nun das erste Mal vor meiner Hebamme meine Sorge darüber, ein Schreikind zu haben. Meine Hebamme wusste wohl, dass es so war, versuchte aber zu beschwichtigen, sie sei noch zu klein, um von einem Schreikind zu sprechen.

Ich stillte sie jede Stunde. Sie schlief auch nur an der Brust. Das letzte mal schlief sie im Krankenhaus in einem Bettchen, anschließend nie wieder. Ich schlief im Sitzen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich begann mit meinem Schicksal zu hadern. Warum wir? Warum musste ausgerechnet bei uns immer alles so schwierig sein? Ich wünschte mir meine Tochter dahin, wo sie meiner Meinung nach hingehörte, in meinen Bauch! Ich beneidete alle Schwangeren, denn ich hatte das Gefühl meine Schwangerschaft nicht beenden zu dürfen.

Das Verhalten meiner Tochter bestätigte mich. Ich fühlte, sie war einfach noch nicht für diese Welt gemacht: Sie ertrug keine Farben und Muster. Sie sah sich alles gerne an, aber konnte sich scheinbar nicht abwenden wenn es ihr zuviel wurde. Sie weinte. Wenn wir mit ihr spielten hatte sie Spaß- nach kurzer Zeit weinte sie. Alles musste ganz reizarm sein. Jedes Geräusch störte sie. Anfangs schlief ich mit ihr in unserem Ehebett. Aber sie ertrug es nicht- es knarrte wenn ich mich bewegte. Also zogen wir ins Wohnzimmer und schliefen fortan auf dem Sofa. Ich mal wieder im Sitzen…

Mit dem Baby alleine

Nach 4 Wochen musste mein Mann wieder zur Arbeit und ich sah mich schon scheitern. Ich hatte unglaubliche Angst mit ihr allein zu sein. Weinte sie doch mehrere Stunden am Tag. 3 Tage später dann die Rettung: Ich kaufte einen Manduca. Fortan trug ich sie 22h am Tag am Körper. Sie liebte es- ich auch! Der Manduca gab uns beiden dass, was uns fehlte. Sie hatte nun eine ‘Gebärmutter mit Aussicht’ und ich hatte das Gefühl wieder schwanger zu sein. Als meine Tochter 3 Monate alt war, haderte ich nicht mehr- ich akzeptierte die Situation wie sie war und war in meinem Muttersein angekommen. Ich beneidete nun auch keine Schwangeren mehr!

Diese Entwicklung ist sehr interessant, auch von dem Gesichtspunkt her, dass der Mensch als physiologische Frühgeburt gilt, der im Laufe der Evolution aufgrund der zunehmenden Gehirnmasse und dem somit größerem Kopf, ‘zu früh’ geboren werden musste, um ein Überleben der Spezies zu gewährleisten. Denn jeder spätere Zeitpunkt hätte zum Feststecken des Kopfes im Geburtskanal geführt. Ein 3 Monate altes Baby kann  sozusagen als reifes Baby benannt werden, weswegen man die Zeit vor dem dritten Monat, gerne auch als 4. Trimenon bezeichnet. Diese Annahme deckt sich absolut mit meiner Erfahrung!

Probleme innerhalb der Familie

Durch den Manduca wurde das Schreien zwar etwas weniger, aber der Hang zur Überreizung blieb bestehen. Meine Tochter schrie immer noch mehr als alle anderen Kinder, auch der Besuch beim Osteopathen brachte nicht den gewünschten Erfolg. Mit einem normalen Arzt brauchte man über dieses Thema garnicht erst zu sprechen, man wurde nicht wirklich ernst genommen. Eher als überempfindliche Erstlingseltern abgestempelt. Auch das Umfeld reagierte teilweise negativ. Gut gemeinte Ratschläge habe ich nur allzu oft gehört und ebenso häufig verflucht. Der Vorwurf, wir seine Schuld, weil wir unsere Kleine mit Körperkontakt ‘verwöhnten’ war omnipräsent. Keiner von ihnen hatte auch nur die geringste Ahnung was es heißt ein Schreikind zu haben und  mit wieviel Verzicht und Aufopferung sie zusammen hing. Es führte letztlich zum Bruch eines Familienteils, da wir nicht gewillt waren unsere kostbaren Energien in Menschen zu investieren, die uns scheitern sehen wollten.

Zumal unsere Kleine auf Besuch ohnehin am heftigsten reagierte. Ich erinnere mich, dass sie nach dem Besuch meiner Freundin 3 Tage und 3 Nächte weinte- aber erst dann, als meine Freundin unsere Wohnung verlies. Als hätte sich meine Tochter vorher nicht getraut ihrer Überreiztheit Ausdruck zu verleihen.

Baby vom weinen ablenken?

Wir trugen sie mehrmals am Tag in den Schlaf, aber sie brauchte unwahrscheinlich Lange, wir mussten ganze Tänze veranstalten um sie zu beruhigen, denn sie weinte viel vor dem Schlafen. Bei Recherchen im Internet stieß ich auf ein Buch, dessen Klappentext mich sehr provozierte. Es hieß ‘es sei falsch Kinder von ihrem Weinen abzulenken, durch stillen etc. man würde es dadurch nur noch verschlimmern!’ Ich las dieses Buch von Aletha J. Solter: Es war eine Offenbarung! Ich wollte es versuchen. Frau Solter war der Meinung, ein Kind weine nicht einfach so, es müsse etwas verarbeiten und man solle es weinen lassen- selbstverständlich nicht allein, dieses Buch reiht sich nicht in die modernen Foltermethoden für Kinder a la ‘Jedes Kind kann schlafen lernen’ ein. Nein, sondern in den Armen der Eltern. Ich setzte mich also mit ihr hin und ließ sie sich in meinen Armen  ausweinen. Sie suchte immer wieder Blickkontakt, als würde sie mir etwas erzählen wollen. Als sie aufhörte zu weinen, schlief sie ganz fest. So fest hat sie noch nie zuvor geschlafen! Ich hielt sie im Arm und ich spürte, wie eine unsagbar große Last von ihr abfiel. Es war unbeschreiblich! Ich teilte in diesem Moment ihre Gefühle. Und ich wusste: Ich tat das Richtige. Bis zu diesem Zeitpunkt, war das eines meiner innigsten Erlebnisse mit ihr.

Wir führten die Methode weiter fort. Ganz interessant ist auch, dass unsere Tochter vor dem Ausweinen, immer kurz bevor sie einschlief, aufschrie, um nach ihrem Schnuller zu verlangen. Frau Solter nennt das ein ‘Kontrollmuster’, welches zum Unterdrücken des Weinens ‘erschaffen wurde’. Seitdem wir sie ausweinen lassen, hat sie ihren Schnuller NIE WIEDER angerührt.

Das Weinen besserte sich von Woche zu Woche. Aber auch wir waren bemüht, alles zu tun, damit sie sich wohl fühlt. Dann fand ich über ein weiteres Buch heraus (ja, ich lese viel) das meine Tochter zwar ein Schreikind war, es der Begriff Hochsensibilität aber viel besser traf. Sie zeigte alle Anzeichen. Es heißt, dass Hochsensibilität eine Gabe sei, die das Kind später sehr emphatisch und gewissenhaft werden lässt. Wenn meine Tochter doch blos schon etwas älter wäre… Ich empfand ihre Hochsensibilität als schier unlösbare Aufgabe, obgleich ich froh war, dass ihr Verhalten endlich einen Namen hatte! Witziger weise deckt sich die Anzahl der hochsensiblen Babys mit der Anzahl der Schreikinder. So dass man davon ausgehen kann, dass Hochsensibilität der Grund des Schreien ist. (Elaine Aaron, Das hochsensible Kind).

Auf das eigene Gefühl hören

Intuitiv machten wir schon alles richtig: reizarme Umgebung, Besuche nur einmal die Woche für max. 1h, wobei unsere Tochter gestillt und geschlafen haben musste. Häufige Tagschläfchen, am Körper tragen, KEINE Trennung von der Bezugsperson. Sie schlief Nachts ca. 9h und Tagsüber alle 2h, offenbar musste sich ihr Gehirn regenerieren. Sie ermüdete sehr schnell. Zum Thema Trennungsangst, was bei unserer Tochter sehr ausgeprägt war/ist. Möchte ich im Anschluss noch eine kleine Anekdote erzählen!

Als sie 6 Monate alt war, fühlte ich mich ausgebrannt. Ich stillte jede Stunde (Nachts) und sie war sehr unruhig. Ich stand weinend vor dem Bett meines Mannes, er begriff sofort, nahm die Kleine und trug sie in den Schlaf. Sie schlief bei ihm 5 Stunden am Stück! Und bei mir immer nur eine… Endlich konnte ich Schlaf nachholen. Schlafen im Bett- ich hatte vergessen wie sich das anfühlte…Ich litt in dieser Nacht unter quälenden Albträume, war ich doch noch nie so viele Stunden von meiner Kleinen getrennt gewesen.

Fortan half mein Mann jede Nacht aus, 3 Monate lang! Es gab Tage, da wollte sie nur von mir getragen werden. Ich nannte das meine ‘Monopol Stellung’. Es war schlimm, denn das erschöpfte mich noch mehr. Diese Zeit lag wie  ein bleiernder Schatten auf meinen Schultern.Zu diesem Gefühl gesellte sich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Einsamkeit, die aus der selbstgewählten Isolation herrührten . Es kamen Schlafstörungen hinzu- ich lag meist mehrere Stunden wach. Zum Schluss wurde mein Tinitus wieder aktiv.

Andauernde Unzufriedenheit beim Baby

Sie war unleidlich, nichts gefiel ihr. Sie war sehr anstrengend, Tag wie Nacht. Erst als sie sitzen konnte wurde es etwas besser. Aber dann begann das Schreien, nein, es war kein Weinen, sondern ein Kreischen! Jeden Abend 2h, 8 Wochen lang. Da war sie 8 Moante alt. Hier half auch Frau Solters Methode nicht- wir mussten einfach durchhalten! Dann erkannten wir, warum sie so kreischte: Wir hatten einen ganz festen Rhythmus, mit festen Abläufen und Ritualen. Abends war sie ca. 2,5 wach, so wie immer, und wurde dann im Manduca schlafen geschickt. Das funktionierte so 7 Monate lang. Mal brauchte sie eine halbe Stunde um einzuschlafen, in der Regel musste ich aber 1h mit ihr durchs Zimmer wandern. Mittlerweile waren wir in ihrem Kinderzimmer. Meine Knochen ertrugen das Sofa nicht mehr. Wir haben ein Tag-Bett gekauft und ich schlief mit ihr im Kinderzimmer- seitdem sie 8 Monate alt war, konnte ich sogar im Liegen schlafen, wenn ich sie in den Schlaf stillen konnte. Nur aufstehen durfte ich nie. Sie hielt sich mit ihren Händchen an meinen Bademantel fest und umklammerte mich mit ihren Beinchen. Sollte ich es doch schaffen, aus dieser Position ‘zu entkommen’ schlug sie sofort die Augen auf, nach dem Motto ‘WO WILLST DU HIN??’…Es stellte sich nun heraus, dass sie nach 8 Monaten ihren Rhythmus ändern wollte. Sie brauchte Abends eine Wachzeit von 4 Stunden. Als wir das erkannten, war das Schlafenschicken reibungsloser, gekreischt wurde auch nie wieder.

Nach 12 Monaten…

Und jetzt? Meine Tochter ist heute 12 Monate alt. Viele Dinge sind besser, andere Dinge sind gleich. Ich trage sie noch immer in den Schlaf, Morgens, Mittags, Abends. Es ist  nicht zu vergleichen mit früher. Noch vor ein paar Monaten mussten wir sie 8(!) Mal tragen.

Ab und an, kann ich sie Vormittags in den Schlaf stillen- und dann aus dem Zimmer gehen. In der Regel funktioniert das leider nicht. Es bleibt die Ausnahme.

Sie ist sehr krüsch und isst kaum. Gemüse verweigert sie fast vollständig, akzeptiert wird morgens ein halbes Gläschen Obst-Getreide-Brei. Ihr Essen muss sie befühlen, ansonsten isst sie es garnicht. Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Um uns Arbeit zu ersparen, haben wir Zeitung ausgelegt, damit es mehr oder weniger sauber bleibt, wenn sie mit Essen wirft. Ich habe es aufgegeben selber zu kochen, da ohnehin das Meiste im Müll landet.

Somit stille ich noch sehr viel. Tagsüber will sie im Sitzen trinken, sie hasst es zu liegen, sie hasst es gewickelt zu werden. Sie wird schnell wütend und bekommt Tobsuchtsanfälle. Sie lacht aber auch viel und ist sehr fröhlich. Leider schlägt das schnell um und dann wird sie weinerlich. Nachts hat sie Albträume und weint im Schlaf. Ich bin immer da und stille auch jetzt noch Nachts alle 2 Stunden. Es bleibt anstrengend!

Allerdings sind andere Menschen  kein Problem mehr für sie, sie freut sich über Besuch- so lange ihr dieser nicht zu Nahe kommt und sie anfassen will… Das mag sie nicht. Was das fremdeln angeht, hat sie erstaunliche Fortschritte gemacht. Es hängt sicher damit zusammen, dass wir ihre Bedürfnisse immer respektiert haben und sie an ungewohntes oder ungeliebtes sehr vorsichtig herangeführt haben. So konnten wir sie nach und nach an den verhassten Kinderwagen und das ebenso unliebsame Autofahren gewöhnen. Wir haben eine exzellente Bindung aufbauen können. Darauf bin ich wirklich stolz.

Kleiner Exkurs

Durch ihre extreme Trennungsangst, zeigt meine Tochter, dass sie zu tiefen Bindungen fähig ist. Dazu eine kleine Anekdote:

Meine Tochter war 8 Monate alt, es war ein Tag wie immer. Ich stillte mein Kind, als sie mich mit durchdringendem Blick ansah. Ich fuhr innerlich zusammen: Sie weiß es! Sie weiß, dass mein Mann Urlaub hat und ich während er sie in den Schlaf trägt, ENDLICH einmal wieder shoppen gehen wollte. Wobei ’shoppen gehen’ etwas übertrieben war. Ich hatte ungefähr 2 Stunden Zeit, davon waren allein eine Stunde (hin- und zurück) Fahrtweg, somit blieb mir eine Stunde, auf die ich mich aber wirklich sehr freute. Nachdem ich ihr Schlaflied sang und sie meinem Mann übergab, machte ich mich mit leisen Sohlen von dannen! Zuvor sagte ich meinem Mann noch: „Ich habe mein Handy dabei, falls was ist“ er meinte nur „es wird nichts sein“- ich sollte Recht behalten…

Ich fixierte die Uhrzeit und war stolz, dass ich den Fahrtweg in kürzester Zeit hinter mich gebracht habe und steuerte nun voller Vorfreude mein Ziel an- das Modehaus einer großen schwedischen Kette! Ich schaute gerade mal 5min. Nach Klamotten,  da ging auch schon mein Handy. Mein Mann sagte, sie habe nur 5min. geschlafen. Sie würde wissen, dass ich nicht da bin. Aber es sei alles gut, er komme klar. Ich versprach schnellstmöglich nach Hause zu kommen und begab mich Richtung Umkleide. Er beschwichtigte, ich habe mich so sehr auf diesen Tag gefreut, ich solle ihn genießen. Nachdem ich die Umkleide verließ, wollte ich noch schnell in die Babyabteilung, und raffen, was möglich war- ich wusste die Zeit würde knapp. Weitere 5min. später klingelte mein Handy erneut. Diesmal weinte die Kleine nach mir. Ich stand bereits an der Kasse und hoffte schmellstmöglich diesen Laden verlassen zu können, hatte aber nicht mit dem , in Zeitlupe arbeitenden Verkäufer gerechnet. Während ich mich fragte, wer blos solche Leute einstellen würde, wurde ich schon unruhig, während er gemütlich Artikel für Artikel einscannte. „Mein Baby weint!“ gängelte ich ihn. Er musste ja nicht wissen, dass sie sich nicht in unmittelbarer Nähe befand. Das zeigte Wirkung! Er meinte noch trocken „Aber entsichern darf ich die Sachen noch, oder?“ „Wenn es sein muss“…antwortete ich. Als er wieder in sein ‘Slow- Motion- Muster’ zurück fiel, riss ich ihm die Tüte aus der Hand und zischte „Werfen Sie es einfach rein, für so nen Quatsch hab ich keine Zeit!!!!“ und weg war ich. Ich rannte aus dem Laden, und musste unweigerlich an  Cinderella denken, die in ähnlichem Stil um Mitternacht von ihrem Ball floh. Nur glücklicher Weise verlor ich keinen Schuh. Ich hatte derweil andere Probleme. Ich kämpfte mich durch die Menschenmenge, während ich den ein oder anderen beiseite boxte, der es sich  das nächste Mal wohl besser überlegen wird, sich einer in Hysterie befindlichen Mutter in den Weg zu stellen…Weitere 5min. waren vergangen. Mein Mann schrieb eine SMS „Bitte komm nach Hause, wir brauchen dich“, ich war dabei. Leider fuhr der Bus ohne mich. Und während Cinderella in einer prachtvollen Kutsche davoneilte, stieg ich in ein mir ebenso prachtvoll erscheinendes Taxi.

Zu Hause angekommen, rannte ich durch die Wohnungstür, zu meinem Kind, das außer sich vor Freude war mich zu sehen. Mir liefen die Tränen. Ich war gerade mal 45min. von ihr getrennt, ich hatte Hunger, Durst und eine Toilette hätte ich auch nett gefunden. Aber ich nahm mein Baby, schnallte es in den Manduca und musste noch eine Weile laufen bevor sie selig einschlummerte. Der vermeintlich schönste Tag im Urlaub meines Mannes, mutierte zu einem der anstrengendsten. Shoppen gehe ich fürs erste nicht mehr!

Abschließend wünsche ich uns, Müttern von Schreikindern, viel Kraft und das uns die Evolution zukünftig mit einem Beutel- ähnlich wie bei einem Känguru, bedenkt. Das hätte den Vorteil, dass man sich schon in der Schwangerschaft auf diese schwierige Leben einstellen und dass sich das Kleine nach der Geburt in den Beutel zurückziehen könnte. Wenn es bereit für die Welt ist, kommt es einfach aus seinem Beutel geschlüpft, wenn es ihm Zuviel wird, zieht es sich einfach wieder dahin zurück. Traumhaft- für beide Seiten!


Bericht zum schreienden Baby von Marlene

Meine Tochter kam per Kaiserschnitt auf die Welt, weil ihr Dickkopp nicht auf normalem Wege raus wollte. Schon der erste Schrei klang sehr energisch. Sie wurde mir von den Schwestern gebracht. Ich hörte sie schon ein paar Meter durch die geschlossene Tür. So energisch schrie meine Tochter nach der Brust.

Zuhause steigerte sich die Schreifrequenz stetig. Bis sie 3,5 Monate alt war, konnte ich die Uhr danach stellen: Pünktlich von 19 – 24 Uhr schrie sie sich die Lunge aus dem Leib.

Unser Programm sah so aus:

Stillen, Tragen, Stillen, Fliegergriff, Stillen, Tragen, Stillen, Bauch massieren, Stillen, sacht auf den Windelpopo trommeln, dabei weiterhin tragen … bis die Arme abfallen (hatte noch kein Tragetuch.

… um irgendwann erschöpft im Bett zu landen. Das Baby bäuchlings auf den Knieen und die Knie auf- und abgewippt.
Ich weiß nicht mehr genau, wie ihr Schlafrhythmus war – obwohl, es gab gar keinen Rhythmus. Auf jeden Fall schläft sie noch heute mit ihren 10 Jahren relativ wenig. Außer sie ist krank.

Veränderungen = Stress

Veränderungen – wie Kindergartenbeginn  und Schulbeginn waren für sie Stress-Situationen. Besonders extrem war der Kindergartenbeginn.

Nach Ende der Schreiphase wurde es besser. Klar kamen andere Phase, die das “Zusammenleben” erschwerten.
Wobei, die Trotzphase nie so extrem waren. Damit konnte ich besser umgehen als mit der Schreiphase.

Jetzt mit 10 Jahren, ist sie eine Persönlichkeit geworden, die gerne diskutiert und hinterfragt. Ein “das ist ebenso” akzeptiert sie nicht. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und kann sowohl schlichten als auch sich durchsetzen – wenn nötig. Ebenso kann ich mich auf sie verlassen. Mein Vertrauen hat sie noch nie missbraucht – eben, weil ich ihr vertraue.

Mein – für manche aufopfernd aussehender – Einsatz hat sich gelohnt. Das lange nach Bedarfstillen sowie das Familienbett und das Tragen, hat mich im Endeffekt vor dem Kollaps bewahrt. Ich weiß, dass es unvorstellbar ist, dass das Baby jemals aufhören wird zu schreien. Es kommen zum Teil aggressive Gefühl in einem hoch. Gedanken über die man erschrickt, weil eine Mutter ihr Kind doch bedingungslos lieben sollte. In dem Moment sollte mutter sich nicht scheuen, einen lieben, verständnisvollen Menschen anzurufen.
Bei mir war es unser Kinderarzt, der mir damals seine Privatnummer für solche Fälle gab.