Symptome von Schreibabys

Wenn Sie auf dieser Seite sind, um herauszufinden, was ihr Kind mit seinem Schrei ausdrücken will, es ansonsten aber ein eher ruhiges Kind ist, dann mögen die folgenden Eigenschaften wahrscheinlich nicht zutreffen. Sie können also diesen Absatz überspringen oder trotzdem lesen – und dabei etwas lernen, das Ihnen vielleicht auch ihr ruhiges Baby etwas näher bringt.

Wir wollen uns auch nicht aufhalten mit der Frage, ist mein Kind nun ein Schreibaby oder ist es das nicht. Viel wichtiger ist, wie sie als Eltern sich fühlen. Selbst wenn ihr Kind auch nur einmal in der Woche schreit, es sie aber trotzdem hilflos und verzweifelt hinterlässt, dann ist es auch für Sie richtig, der Sache auf den Grund zu gehen.

Allgemein gibt es viele verschiedene Arten von Schreibabys, manche sind den ganzen Tag unzufrieden, andere haben ihre allabendlichen 2-3 Stunden. Bei manchen ist es nach 3 Monaten vorbei und bei anderen nicht. Die Gründe für das Schreien sind so vielfältig wie ihre Kinder selbst, die folgenden Stichpunkte sollen als Idee oder Anregung dienen, das Verhalten ihres Babys zu hinterfragen und zu verstehen.

Schreibabys sind anstreckend

Anstrengend, ja – das sind sie definitiv. Schreibabys haben die Angewohnheit jedes verfügbare Quäntchen Energie aus ihren Eltern zu saugen – Und haben immer noch nicht genug. Das Gute ist, dass sie all diese Energie in ihre Gedeihung stecken. Es ist schwer, mit einem schreienden Baby auf dem Arm, solchen anstrengenden Momenten etwas Positives abzugewinnen, aber auch die anstrengendsten Tage sind Geschenke des Himmels, und sie haben nicht selten zur Folge, dass Mama, Papa und Baby zu einer besonderen Einheit reifen, die im späteren Leben Gold wert ist.

Und selbst wenn dein Baby mal wieder deine Energien aufgebracht hat und du eigentlich noch den Abwasch machen wolltest – so what. Erwarte etwas weniger von dir selbst. Andere Aufgaben können warten – dein Baby nicht. Immer wenn man denkt es geht nicht mehr, taucht auf einmal doch eine neue Energiereserve auf. Mit frischem Wind in den Segeln kann man sich schnell wieder an der Einzigartigkeit seines Kindes erfreuen.

Hyperaktiv und Hyperton

Mit der ebenfalls beschriebenen Intensität geht Hand in Hand die Hyperaktivität und Hypertonizität. Letzteres beschreibt einen Zustand ständig angespannter Muskeln, es gibt nur seltene Momente in denen die Muskeln oder auch Gedanken eines Schreibabys still stehen.

Normalerweise wird diese Anspannung bei Babys festgestellt, die nicht getragen werden und somit ein gewisses Energiepotential aufbauen, das sie im Liegen nicht wieder loswerden. So sollten Babys nach Möglichkeit ständig am Körper getragen werden (Nur bei häufigem Tragen kann sich der Körper der tragenden Mutter auf das Gewicht einstellen), auch um ihr natürliches Bedürfnis nach Nähe zu stillen.

„Pucken“ mag nicht jedes Baby

So gibt es auch unter den Schreibabys solche, die es mögen eng in ein Tuch gewickelt zu werden (Pucken), unter anderem weil es sie an die Zeit im Mutterleib erinnert. Auf der anderen Seite jedoch verabscheuen einige von ihnen diese Art von Einengung. Sie versteifen ihre Glieder, drücken ihre Rücken durch und vollführen Akrobatik sogar beim Stillen.

Auch wenn wir Schreibabys anscheinend in Schublade Hyperaktivität gesteckt haben, so handelt es sich hierbei nicht um Kinder die immer rumzappeln, nie zuhören und medikamentös behandelt werden müssen – ganz im Gegenteil. Schon bald werden diese Babys zeigen, dass sie hochkonzentriert arbeiten können und eine unglaubliche Kreativität an den Tag legen.

Babys brauchen „Intensivität“

Bereits wenige Stunden nach der Geburt machen einige Babys ihrem Ärger Luft – Ärger darüber, dass die Mama mit der sie vor Kurzem noch körperlich verbunden waren, nun scheinbar nicht mehr anwesend ist. Sei es, weil sie in ein anderes Zimmer gebracht wurde um sich zu erholen oder einfach nur in einem anderen Bett liegt.

Einem jeden Baby fällt eigentlich sofort auf, dass da etwas fehlt -nämlich Nähe. Aber nur die besonders willensstarken Neugeborenen sind in der Lage darauf aufmerksam zu machen und sich die so herbeigesehnte Nähe auch einzufordern.

Was bedeutet das schreien?

Dabei ist der Schrei eines sogenannten Schreibabys nicht nur unzufriedenes Meckern – es ist mehr. Es ist schriller Alarmschrei und der Ausdruck höchster Not. Die Fäuste sind geballt, der Rücken ist durchgedrückt, jede einzelne Muskelfaser angespannt.

Nicht nur das Schreien betreiben Schreibabys mit solcher Intensität, sie sind in allem was sie tun auffallend intensiv. Sie trinken viel und energisch, sie lachen aus vollem Hals und sie protestieren mit aller Kraft, sollten ihre Bedürfnisse nicht gestillt werden.

Babys schreien nicht um Eltern zu ärgern!

Schon bald machen Eltern die Erfahrung, dass bei solchen Babys der meist gut gemeinte Rat „Ach, einfach mal ausschreien lassen“ nicht in die Tat umgesetzt werden kann. Und das ist gut so! Wenn ein Baby schreit, dann schreit es nicht, weil es seine Eltern ärgern oder gar manipulieren will, nein, es schreit weil es ihm schlecht geht, so einfach ist das. Wenn das Schreien ignoriert wird, fangen ruhige Kinder an, aufzugeben und das Vertrauen in ihre Bezugspersonen zu verlieren – der Aufbau des Urvertrauens wird erheblich eingeschränkt. Schreibabys hingegen denken gar nicht ans Aufhören, sie schreien einfach noch intensiver. Und je länger dies anhält, umso schwerer sind sie danach zu beruhigen. Nicht verwunderlich, dass sich manches Schreibaby bis zur Bewusstlosigkeit schreien kann (!).

Auch wenn diese Intensität die Eltern oft an den Rand ihrer Kräfte bringen wird, so wird sich mit zunehmendem Alter diese Eigenschaft als wertvolles Gut erweisen. Anfängliche Schreibabys, auf deren Bedürfnisse so gut es eben ging eingegangen wurde, entwickeln sich zu willensstarken Erwachsenen, die die Dinge, die sie anfassen auch mit ebensolcher Kraft vorantreiben.

Schreibabys sind nimmersatt

Ein weiteres auffälliges Merkmal für ein Schreibaby ist der ständige Wunsch nach der Brust. Wenn man es nicht besser weiß und von außen mal wieder Ratschläge auf einen einprasseln, könnte man schon denken, dass die Babys schreien, weil sie einfach nicht genug Milch bekommen und nicht satt werden. Wehe dem, der dann schnell sein Baby von der Brust entwöhnt mit Hoffnung auf Besserung. Erst dann wird einem klar, dass das Stillen besonders bei Schreibabys „lebensrettend“ für Mama und Kind ist.

Stillen nicht nur Ernährung

Denn Stillen steht nicht nur für Ernährung, es ist so viel mehr. Hautkontakt und Körperwärme spenden dem Knirps Trost und Geborgenheit. Studien beweisen, dass nach Bedarf gestillte Kinder weniger schreien als ihre nach Zeitplan gestillten Artgenossen.

In Kulturen, in denen Babys so gut wie nie schreien, trinken diese 20 Mal und mehr am Tag. Diese Zahl hört sich unglaublich hoch an, wenn man sie mit unseren westlichen Trinkplänen vergleicht, sie relativiert sich jedoch, wenn wir feststellen, dass die Babys dafür nur kurze Zeit an der Brust sind. Außerdem sind in diesen Kulturen die Babys in ständigem Körperkontakt und haben somit unbegrenzten Zugang zur Brust (Ach, herrlich!).

Dass solche Kulturen von den westlichen Menschen als primitiv abgestempelt werden, verdienen sie nicht – schließlich sind es unsere Kinder die schreien!

Flaschenkinder beruhigen sich nicht

Während Flaschenkindern leider keine Flasche zur Beruhigung gegeben werden kann, braucht man sich beim Stillen nicht nur keine Sorgen machen, sondern dem Kind mit bestem Gewissen die Brust geben, wann immer es danach verlangt und man selbst dazu bereit ist. Der Milchgehalt ist anpassungsfähig und gleicht sich den Mahlzeiten an, wird viel getrunken ist sie dünner, wird wenig getrunken dicker – aber immer gesund!

Vieltrinker bleiben selten übergewichtig, auch wenn sie als wohlgenährte Säuglinge in das Leben starten.

Auch das Nuckeln an sich beruhigt die Babys, das ist allgemein bekannt. Leider wird dieses Wissen dazu genutzt es auszunutzen. So bekommt es einen kalten, sterilen Schnuller in den Rachen gesteckt und darf jetzt bitte die nächsten 2 Stunden ruhig sein. Das aber war von der Natur nicht vorgesehen – die Nuckelbedürfnisse eines Babys sollen von seiner Mama gestillt werden. Und wenn die Brust mal `ne Pause braucht, tut`s vielleicht auch mal der kleine Finger.

Vorsicht vor „Saugverwirrung“

In den ersten Wochen sollte man allerdings auf alles außer der Brust verzichten, da es zur Saugverwirrung kommen kann. Stillen ist auch deswegen „lebensrettend“, weil es die Ausschüttung des Hormons Prolaktin in Gang setzt. Dieses sogenannte „Mutter-Hormon“ gibt der Mama die Kraft die sie braucht um solch anstrengende Zeiten unbeschadet zu überstehen. Prolaktin mildert die Folgen von Schlafmangel und sorgt dafür, dass Mama auf einmal über sich hinaus wächst.

Wie lange gestillt werden sollte, hängt natürlich davon ab, ob beide Parteien noch glücklich sind in ihrer Stillbeziehung. Fakt ist jedoch, dass alles Abstillen unter einem Jahr kontraproduktiv wäre, da man dann auf künstliche Milch umsteigen müsste – und warum sollte man das tun, wenn einem was viel besseres zur Verfügung steht?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt übrigens ein Stillen „in den ersten zwei Jahren und darüber hinaus“. Wenn das Stillbedürfnis des Kindes aufhört, stillen sich Kinder von selbst ab.

Schreibabys sind trennungsempfindlich

Unruhige Babys (nicht nur Schreibabys) akzeptieren nur selten einen Mama-Ersatz und brauchen oft lange, bevor sie mit Fremden warm werden. Sie mögen auch keine neuen Umgebungen und gewöhnen sich ungern an einen Babysitter (und das, obwohl man gerade als Mutter eines anhänglichen Babys eine Auszeit so dringend nötig hat).

Mutter für Babys ein Teil von ihnen

Es kann hilfreich sein, sich eine Trennungssituation aus den Augen der Kinder zu betrachten. Die meisten Erwachsenen sind der Ansicht, dass Mutter und Kind zwei seperate Personen sind, die auch seperat voneinander “funktionieren” sollten. Babies sehen das nicht so. Für sie ist die Mutter noch Teil ihres Selbst, und genauso sind sie Teil ihrer Mutter.  Mama und Baby gibt es zunächst nur im Doppelpack (genau wie zu Zeiten der Schwangerschaft). Diesen Babys geht es gut, wenn sie sich mit ihrer Mutter verbunden fühlen und sie geraten unter Stress und haben Angst, wenn sie von ihr getrennt sind. Oft wird dieses Verhalten als etwas Unnormales betrachtet, obwohl es das gar nicht ist. Es scheint doch ein durchaus nachvollziehbares Verhalten zu sein, für ein kleines Wesen, welches noch komplett von der Präsenz einer nahrungsgebenden und fürsorgenden Person abhängig ist, oder?

Trennungsangst & Fremdeln

Trennungsangst und Fremdeln sind Expertenausdrücke, die Babys so beschreiben, wie wir sie gern hätten, aber nur selten wie sie wirklich sind. Und auch wenn es zunächst ungewohnt und anstrengend ist, sich 24 Stunden um sein Kind zu kümmern, so kann man der Trennungsempfindlichkeit durchaus auch Positives zuschreiben:  Die Fähigkeit des Babys zu unterscheiden, welche Person es um sich herum haben muss, um gedeihen zu können zeigt, wie scharfsinnig die Kleinen sind. Das laute Schreien, das eine Trennung oft begleitet zeigt außerdem, dass diese Kinder in der Lage sind innige Beziehungen aufzubauen – wäre es Ihnen egal wer gerade da ist, dann würden sie ja nicht lautstark protestieren.

Trennungsangst nimmt ab

Natürlich geht auch diese Zeit vorbei. Die Babys merken, dass Mama immer wieder zurückkommt (im ganz jungen Alter können sie das noch nicht einschätzen – das fehlende Zeitgefühl macht es für sie unmöglich zu wissen, dass Mama doch gleich wieder zurückkommt. Für Babys ist es immer eine Ewigkeit.) und dass sie sich auch auf andere Menschen in ihrem Umfeld verlassen können. Bald bestehen ihre Bedürfnisse aus mehr als nur Stillen & Tragen und spätestens dann bieten sich auch anderen Personen zur Erfüllung dieser Bedürfnisse an. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung und diese Zeit kommt ganz bestimmt.

Schreibabys sind sehr emfindlich

Ein Schreibaby ist in erster Linie ein Mensch, der alles Neue gierig in sich aufsaugt, ohne am Ende zu wissen wohin mit all den Informationen. Eine Verarbeitung der aufgenommenen Eindrücke erfolgt dann nicht selten durch hemmungsloses Rausschreien. Das ist auch ein Grund dafür, warum es bei vielen Babys meist in den Abendstunden oder nach einem Ausflug  zu Schreiattacken kommt. Es kommt auch oft vor, dass ein Baby nur in den ersten drei Monaten sehr unruhig ist (eine klare Abgrenzung zu den 3-Monats-Koliken ist hierbei meist gar nicht möglich, da oftmals die Bauchkrämpfe erst durch das Schreien ausgelöst werden) und sich dann beruhigt – hier kann man von einer Anpassung an “die Welt da draußen” sprechen, die eben 3 Monate in Anspruch genommen hat.

Überempfindliche Kinder unterstützen

Um also das Leben eines überempfindlichen Neugeborenen, das jede kleinste Veränderung bemerkt und sehr aufmerksam seine Umwelt begutachtet, zu erleichtern, kann man Folgendes versuchen:

  • Reizüberflutung vermeiden. Radio und Fernseher ausschalten. Zu viel, zu buntes und zu lautes Spielzeug ist oft zuviel des Guten.
  • Im ersten Jahr nach Möglichkeit nicht verreisen. Babys mögen Beständigkeit.
  • Einkaufscenter und Massenveranstaltungen meiden. Ein völlig überdrehtes Baby ist hier meist schon nach fünf Minuten garantiert.
  • Baby nicht “herumreichen”. Anfangs sind die Neugeborenen bei Mama und Papa (oder eben den bekannten Bezugspersonen) am Besten aufgehoben. Auch wenn die Nachbarin das noch so schade findet.
  • Parfum und andere Fremdstoffe haben in der ersten Zeit an Mama nichts verloren – sonst kann Baby dich nicht erschnüffeln 😉

Das sind nur ein paar Anregungen, um auf Überempfindlichkeit bei Babys zu reagieren. Man kann einfach versuchen, dem Baby einen ruhigen Rückzugsort zu schaffen, an dem sich die ganze Familie wohlfühlt. Und wenn die Familie sich wohlfühlt, dann tut es das Baby meist auch.