Baby beruhigen

Wenn es darum geht ein Baby zu beruhigen, welches schreit obwohl es satt ist, gewickelt wurde und nicht unter Müdigkeit leidet, dann ist Kreativität gefragt. Denn was bei einem Baby funktioniert, das mag das andere wiederum ganz und gar nicht. Und was der eine heute toll findet, kann er morgen schon wieder doof finden.

Aus diesem Grund scheinen manche Aussagen auf dieser Seite widersprüchlich zu sein; einerseits wissen wir, dass oft schreiende Babys sehr empfindlich gegenüber Reizen sind, andererseits versuchen wir sie mit Geräuschen und Anblicken zu beruhigen. Hier das Richtige zu finden, gleicht oft einer Gratwanderung. Manchmal versuchen wir tagelang das zu finden, was unseren Kleinen ablenken könnte, nur um dann herauszufinden, dass er vielleicht doch einfach nur Ruhe braucht.

Schreibabys brauchen Ruhe

Einer der am schwersten zu befolgenden Ratschläge ist auch folgender. Da wir davon ausgehen, dass die meisten Schreibabys körperlich gesund sind und der Grund des Schreiens ein psychologischer ist, dann müssen wir versuchen Ruhe auszustrahlen. Wenn ein Baby schreit, weil es ihm gerade zu viel ist, dann braucht es einen “Fels in der Brandung” um herunterzukommen. Natürlich ist es als Mutter schwer, denn wie bereits in den Anfangsseiten erwähnt, hat das Schreien des Kindes direkte Auswirkungen auf sie, aber wenn man nicht aufpasst, landet man schnell in einem Teufelskreis. Das Kind schreit, die Mutter wird nervös und angespannt – das Kind schreit noch mehr, weil sich Nervosität und Spannung der Mutter auf es übertragen.

Also, dem Kind signalisieren dass man es ernst nimmt mit seinen Problemen und Sorgen und ihm gleichzeitig zu verstehen geben, dass alles in Ordnung ist. Das ist sehr schwer, aber es ist ein Ziel.

In den folgenden Kapiteln gibt es Anregungen zur Beruhigung von kleinen Knirpsen (insofern Stillen und Tragen nicht mehr ausreicht):

Baby in Bewegung halten

Eine der wirksamsten “Beruhigungsmittel” für unruhige Babys ist Bewegung! Das Tragetuch oder die Tragevorrichtung kann zum besten Freund avancieren, wenn man erst einmal um deren baby-beruhigenden Eigenschaften weiß. Auch hier stützen Studien die Erfahrungen von vielen Eltern. Es heißt, dass Babys die mindestens 3 Stunden am Tag getragen wurden im Durchschnitt 40% weniger schreien. Dabei reden wir hier nicht von einem Hochnehmen, wenn das Baby bereits weint, sondern um ein möglichst konstantes  “Am Körper der Mama sein”. Da wo Baby hingehört.

Tragetuch gutes Hilfsmittel

Mit der richtigen Tragevorrichtung bzw der passenden Bindung des Tragetuches ist es auch kein Problem, mit dem Baby bestimmte Arbeiten im Haushalt zu erledigen. Man merkt den kleinen Knirps irgendwann gar nicht mehr, oder zumindest wird er nicht als Last empfunden. Der Fakt, dass Mama mit dem Kind am Körper so vielen Tätigkeiten nachgehen kann (und das Baby trotzdem zufrieden ist!), ist auch ein Gewinn für das Kind. Es bekommt den ersten Eindruck davon, was Mama im Leben eben so alles anstellt und bekommt auch nicht das Gefühl, dass Mama nur für das Baby lebt. Trotz all der Nähe, die wir hier “verschreiben”, sind wir nämlich nicht der Ansicht, dass sich alles ums Kind drehen sollte. Kinder liefen früher meist nebenher, das Leben ging einfach weiter. Heutzutage bedeuten sie vor allem für berufstätige Mütter einen oft schmerzhaften Einschnitt.

Dazu hat Jean Liedloff einen interessanten Artikel geschrieben: Wenn sich alles ums Kind dreht.

Warum ist das Tragen für Babys beruhigend?

  • Die körperliche Nähe, die Bewegungen und Geräusche der Mama und die gemütliche Enge des Tragetuchs stellen für das Kind eine Art Fortführung des Lebens im Mutterleib dar. Dieses Maß an Geborgen – und Vertrautheit bietet kein Maxi-Cosi und auch kein Kinderwagen.
  • Das Baby befindet sich auf einer Höhe mit den Erwachsenen, die nun nicht mehr auf sie oder ihn herabschauen müssen. Das ist einerseits weniger furchteinflößend und andererseits hat man von dort oben eine viel bessere Aussicht
  • Ablenkung durch all die interessanten Dinge, mit denen Mama sich so beschäftigt. Obwohl sitzende Tätigkeiten meist weniger interessant sind.
  • Die Nähe erlaubt es der Mutter auf die frühesten Anzeichen von Unruhe einzugehen und ermöglicht es ihr so, auf ihr Baby zu reagieren bevor es überhaupt anfangen muss zu schreien.
  • Es ist übrigens auch sehr praktisch, das Kind im Tragetuch zu stillen. Das ist diskret, es bekommt also nicht jeder gleich mit und erspart einem so manche unangenehme Situation in der Öffentlichkeit.
  • Geheimtipp: Wenn es die äußeren Umstände mal zulassen sollten, dann lohnt es sich mal das Baby in direktem Hautkontakt zu tragen. Also ohne, dass 3 Lagen Stoff den Körperkontakt behindern. Kurz: Baby nackig (Keine Angst, Mama’s Körperwärme ist eine recht zuverlässige Heizvorrichtung) und Mama ohne T-Shirt und BH, Tragetuch drüber und leichtes Jäckchen vielleicht, falls es doch mal an der Tür klingelt.

Schrei-Phasen des Babys

Während Schreiattacken hilft es oft, mit dem Baby zu tanzen. Manchmal erkennt man Mütter von Schreibabys auch wenn sie ohne ihr Baby unterwegs sind – sie sind diejenigen die ständig hin und her wippen, weil es ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Der Pezzi-Ball ist in vielen Schreibaby-Familien zum unabkömmlichen Hilfsmittel geworden!

Bei Koliken wird gern der Fliegergriff angewandt. Dabei liegt das Baby mit dem Bauch auf dem Arm seines Trägers.

Es ist nur natürlich, dass Babys Bewegung mögen. Sie kennen es nicht anders aus den Zeiten im Mutterleib. Aus diesem Grund ist Stillliegen für sie etwas Unnormales. Sie verstehen es nicht und es macht ihnen Angst.

Viele Babys lieben monotone Geräusche

Hand in Hand mit der Bewegung gehen Geräusche, bei denen sich Babys beruhigen. Auch hier mögen sie wieder diejenigen, die sie an die Zeit im Mutterleib erinnern. Es sind meist ruhige, tiefe, monotone Klänge oder Melodien.

Hier ein paar Möglichkeiten:

  • Eine laut tickende Uhr
  • Tropfendes oder laufendes Wasser
  • Fön
  • Metronom
  • CD mit Wasser/Ozean-Geräuschen
  • Vorsingen
  • Klassische Musik
  • Staubsauger (manche mögen es, andere nicht. Baby am besten tragen und dabei staubsaugen)

Auf der anderen Seite gibt es genauso gut Geräusche, die viele Babys überhaupt nicht mögen. Hohe Töne, die plötzlich auftreten und noch dazu zu laut sind, wie zum Beispiel Mixer.

Spannende Umgebung

Auch ein interessanter Anblick kann ein Baby beruhigen, oder zumindest ablenken.

Hier einige Vorschläge:

  • Baby sich im Spiegel selbst betrachten lassen. Manchen lässt das sofort verstummen 🙂
  • Lustige Grimassen
  • Kronleuchter, Kerzenleuchter
  • Schwingendes Pendulum einer Uhr
  • Aquarium
  • Laufendes Wasser
  • Spielende Kinder oder Haustiere

Je mehr Interaktion wir versuchen, umso besser werden wir darin, unser Baby kennenzulernen und zu beruhigen. Manchmal hat man alles in seinem Horizont befindliche ausprobiert, bis man herausfindet, dass eine Waschmaschine all die Arbeit tut 🙂

Babys lieben Berührungen

Jedes Baby braucht eine Menge Berührungen – Schreibabys brauchen natürlich noch mehr! Keine Berührung ist beruhigender als direkter Hautkontakt, obwohl es durchaus auch sehr berührungsempfindliche Schreibabys gibt, die nicht einmal berührt werden wollen. In diesem Fall kann man Berührungen in kleinen Portionen “verabreichen”, sodass das Baby Zeit hat sich daran zu gewöhnen.

  • Babymassagen sind ein guter Weg um ein Baby zu beruhigen. Informationen zum Thema Babymassage und wie man es macht, findet man in nächster Nähe bei der Hebamme zum Beispiel. Oft werden auch Babymassage-Kurse angeboten, diese bedeuten für Mama und Kind aber oft mehr Aufregung als Beruhigung. Aber auch hier gilt, probieren geht über studieren.
  • Beim Tragen, Tanzen oder Liegen kann man versuchen, des Baby’s Kopf unter seinem Kinn zu platzieren und dabei eine tiefe Melodie zu summen. Die Vibration des Adamsapfels (Also sehr geeignet für Väter) beruhigt das Baby zusätzlich.
  • Auch sehr beruhigend ist folgende Variante: Zieht euch beide aus und legt euch ins Bett. Schling deine Arme eng um dein Baby und biete ihm/ihr gegebenenfalls die Brust an. Der direkte Körperkontakt, Mamas Herzschlag und das Nuckeln beruhigen ein Kind meist ganz schnell.
  • Ein gemeinsames Bad hat auch für die Mama entspannende Eigenschaften. Um auch das Baby zu beruhigen, ruhig beim Baden stillen.  Dann bekommen beide etwas wohlverdiente Ruhe.