Bereits wenige Stunden nach der Geburt machen einige Babys ihrem Ärger Luft – Ärger darüber, dass die Mama mit der sie vor Kurzem noch körperlich verbunden waren, nun scheinbar nicht mehr anwesend ist. Sei es, weil sie in ein anderes Zimmer gebracht wurde um sich zu erholen oder einfach nur in einem anderen Bett liegt.
Einem jeden Baby fällt eigentlich sofort auf, dass da etwas fehlt. Nämlich Nähe. Aber nur die besonders willensstarken Neugeborenen sind in der Lage darauf aufmerksam zu machen und sich die so herbeigesehnte Nähe auch einzufordern.
Dabei ist der Schrei eines sogenannten Schreibabys nicht nur unzufriedenes Meckern – es ist mehr. Es ist schriller Alarmschrei und der Ausdruck höchster Not. Die Fäuste sind geballt, der Rücken ist durchgedrückt, jede einzelne Muskelfaser angespannt.
Nicht nur das Schreien betreiben Schreibabys mit solcher Intensität, sie sind in allem was sie tun auffallend intensiv. Sie trinken viel und energisch, sie lachen aus vollem Hals und sie protestieren mit aller Kraft, sollten ihre Bedürfnisse nicht gestillt werden.
Schon bald machen Eltern die Erfahrung, dass bei solchen Babys der meist gut gemeinte Rat „Ach, einfach mal ausschreien lassen“ nicht in die Tat umgesetzt werden kann. Und das ist gut so! Wenn ein Baby schreit, dann schreit es nicht, weil es seine Eltern ärgern oder gar manipulieren will, nein, es schreit weil es ihm schlecht geht, so einfach ist das. Wenn das Schreien ignoriert wird, fangen ruhige Kinder an, aufzugeben und das Vertrauen in ihre Bezugspersonen zu verlieren – der Aufbau des Urvertrauens wird erheblich eingeschränkt. Schreibabys hingegen denken gar nicht ans Aufhören, sie schreien einfach noch intensiver. Und je länger dies anhält, umso schwerer sind sie danach zu beruhigen. Nicht verwunderlich, dass sich manches Schreibaby bis zur Bewusstlosigkeit schreien kann (!).
Auch wenn diese Intensität die Eltern oft an den Rand ihrer Kräfte bringen wird, so wird sich mit zunehmendem Alter diese Eigenschaft als wertvolles Gut erweisen. Anfängliche Schreibabys, auf deren Bedürfnisse so gut es eben ging eingegangen wurde, entwickeln sich zu willensstarken Erwachsenen, die die Dinge, die sie anfassen auch mit ebensolcher Kraft vorantreiben.