Ein Problem zu lösen setzt voraus, dessen Gründe zu kennen. Welche Gründe kann das Mutter-Burnout haben?
Zuviel und zu früh
Die Zeit direkt nach der Geburt ist wohl die Zeit, die am meisten an den Kräften zehrt. Schon die Geburt selbst ist eine ungemeine körperliche Anstrengung und der Körper braucht danach Erholung. Hier ist es normal, dass eine junge Mutter nach dem Krankenhaus-Aufenthalt sowohl für das Neugeborene sorgen als auch den Haushalt schmeißen muss. In anderen Gesellschaften gibt es für diese erste Zeit eine Doula, eine tatkräftige Unterstützung, die die Frau nach der Entbindung entlastet.
In Gesellschaften, in denen Müttern großer Respekt gezollt wird (was bei uns leider nicht der Fall ist), würde nie jemand zweifeln, ob die Mutter in der Lage ist ihre Kinder zu ernähren und aufzuziehen. Aber gerade in diesen Gesellschaften wird die Mutter mit dem Aufziehen nicht allein gelassen.
Leider wird uns in unserer Gesellschaft das Gefühl gegeben, wir seien nicht mehr dazu in der Lage das zu tun, wozu wir eigentlich doch geboren wurden - unsere Kinder großzuziehen.
In unserem Land wird von jeder Frau erwartet, dass sie es ohne fremde Hilfe schafft und so leiden viele unter Schlafmangel, Energiemangel (Stillen ist auch sehr kräftezehrend), Hormonturbulenzen, verspäteten oder ganz ausgefallenen Mahlzeiten, zusätzlichem Energiebedarf, zusätzlicher Wäsche und allem was sonst noch dazu gehört, wenn das Leben nun mal weitergeht. Im Falle eines Schreibabys muss eine Mutter auch noch den ganzen Tag auf den Beinen sein, um ihr Baby zu beruhigen.
Das allein würde schon ausreichen, eine gesunde Frau an den Rand des Burnouts zu treiben.
Sorgen
Auch Sorgen sind kräftezehrende Angelegenheiten und davon hat eine junge Mutter mehr als genug. Werde ich eine gute Mutter sein? Bin ich überhaupt dazu in der Lage? Was ist überhaupt eine gute Mutter?
Wenn das Baby zu oft aufwacht, fragt sie sich, ob irgendwas nicht stimmt - Wenn das Baby länger schläft als erwartet, fragt sie sich genau das Gleiche. Warum zappelt das Baby heute so rum? Warum möchte es heute öfter trinken als gestern? Wenn das Baby wieder anfängt zu schreien - wird das, was gestern funktioniert hat, heute auch noch funktionieren?
Kurz: Eine Mutter verbringt den Tag damit, für ihr Kind zu denken. Und solange sie nicht schon Erfahrung haben, gibt es tausend Dinge, die ihr da durch den Kopf schießen könnten. Und das ist erst der Anfang! Was wird erst sein, wenn das Kind älter wird? Krabbeln kann? Zur Schule muss?
Die Liste an Sorgen wächst ins Unendliche, wenn man sie lässt - kein Wunder, dass es uns unserer Energie beraubt.
Persönliche Resourcen
Meist ist es unerheblich, wie viel wir wissen oder was unser Herz uns sagt - Mutter sein kommt meist aus dem Bauch heraus. Grundsätzlich ist eine intuitive Herangehensweise an unser Kind natürlich das, wonach wir streben. Leider können wir immer nur in einem Maße intuitiv handeln, in dem uns selbst als Kind diese Intuition zu Gute gekommen ist. Das heißt, wenn sie keine Zeit zum Überlegen hat, dann wird eine Mutter ihrem Kind das antun, was ihr selbst angetan wurde. Im Guten, wie im Schlechten.