Obwohl inzwischen anscheinend 13% aller Neugeborenen überdurchschnittlich viel schreien (die meisten in den ersten drei Monaten, einige noch länger), hat man doch bei manchen Kinderärzten das Gefühl, sie hätten noch nie ein Schreibaby vor sich gehabt. Da wird irrtümlicherweise auf Blähungen spekuliert (es gilt inzwischen als bewiesen, dass in den meisten Fällen das Schreien die Blähungen auslöst und nicht umgekehrt), und das Kind unnötig mit Medikamenten behandelt. Auch das Impfen bereuen einige Eltern der ohnehin schon mit einem schwachen Nervenkostüm ausgestatteten Schreibabys im Nachhinein.
Auch der für Schreibabys schnell überfordernde Arztbesuch wird angesichts des mageren Ergebnisses (man hofft ja doch immer noch bis zuletzt, es würde aufeinmal ein plausibler Grund für das monatelange Schreien gefunden werden) immer mehr zur Qual. Noch dazu, wenn es dem Arzt an jeglichem Feingefühl mangelt. Uns sind Praxen untergekommen, in denen man schief angeguckt wird, wenn man ein 1jähriges Kind nachts stillt, weil es sonst untröstlich weinen würde. Und eine Ärztin, die sich nicht besser zu helfen weiß, als selbst ihre Stimme gegenüber dem brüllenden Kind zu erheben (!). Zudem ist es einfach demütigend für eine Mutter mit einem unstillbar schreienden Säugling in der Öffentlichkeit (auch das Wartezimmer gehört dazu) zu sein.